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Sich vor einer Premiere “Toi toi toi” zu wünschen, ist beim Theater Tradition – und die perfekte Vorlage für ein Fettnäpfchen für neue Mitarbeiter.

von Katharina Dielenhein

1. Der abergläubischste Arbeitsplatz der Welt

Es liegt doch eigentlich so nah, und jede Faser meines Körpers will es tun: Danke sagen. Und doch reiße ich mich zusammen. Und tue es nicht. Sondern beiße mir unauffällig auf die Lippe und schweige. Nicke leicht. Lächle. Mehr nicht. Auf den Ausspruch „Toi toi toi“, den man im Theater vor allem dann ganz häufig hört, wenn eine Premiere ansteht, antwortet man nicht mit Danke. Das schickt sich nicht. Dummerweise musste ich das erst einmal lernen. Stattdessen sagt man „Wird schon schiefgehen“ oder antwortet wiederum mit „Toi toi toi“. Aber wieso ist „Danke“ als Antwort verboten? Der Ausruf „Toi toi toi“ soll lautmalerisch für dreimaliges Ausspucken stehen. Das galt früher als Mittel, um Unglück abzuwenden. Heute wünscht man seinem Gegenüber damit Erfolg; die verbotene Antwort hingegen soll – so ein alter Aberglaube – wiederum das bringen, was man gar nicht möchte: eben Unglück. Und dieser Glaube wird hier sehr ernst genommen. Denn Unglück will – vor allem kurz vor der Premiere – verständlicherweise keiner.

2. Der flexibelste Arbeitsplatz der Welt

In der Endprobenphase scheint das ganze Theater zu rotieren. Bis kurz vor der Premiere wird noch an Details gefeilt, damit am Abend der ersten Aufführung alles stimmt. Soll der Schauspieler die Jacke den ganzen Akt hindurch tragen oder sie zwischendurch ablegen? Teilweise werden solch winzige Details erst spät entschieden. Eventuell ist auch ein Teil der Dekoration kurz vor dem großen Abend noch nicht fertiggestellt. Dann muss Ersatz her. So wurde etwa der Freischütz bis zur Vollendung des Raubvogels mit einem Stoffpapagei geprobt. Aber selbst mit dem Premierentag ist die Aufgabe nicht abgeschlossen: Manchmal werden sogar noch Details angepasst, obwohl das Stück bereits einige Male gezeigt wurde. So bleibt Theater ein immerwährender Prozess, und jeder Gast bekommt ein einzigartiges Stück zu sehen.

3. Der sicherste Arbeitsplatz der Welt

Pünktlich eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn rollt der kleine rote Wagen in den Innenhof. Groß und breit prangt die Telefonnummer 112 darauf. Die Feuerwehr ist da! Zwei Herren oder Damen stellen das Fahrzeug ab, steigen aus und gehen dann ganz gemächlich in Richtung Haupteingang. Dieses Schauspiel kann ich von meinem Büro aus kurz vor jeder Vorstellung im Großen Haus beobachten. Wer nun denkt, die Feuerwehr in Koblenz sei ganz besonders theateraffin – der könnte eventuell Recht haben. Das vermag ich leider nicht zu beurteilen. Eigentlich hat das Geschehen aber einen anderen Hintergrund. Sobald bei uns eine Vorstellung stattfindet, an der mehr als 100 Menschen teilnehmen, sind wir verpflichtet, zwei Plätze für die Feuerwehr freizuhalten. Bevor die Aufführung beginnt, warten die Brandschützer den Eisernen Vorhang und überprüfen Sicherheitswege, währenddessen halten sie die Augen offen und sind Ansprechpartner, wenn etwas passiert. Glücklicherweise sitzen die Feuerwehrleute fast immer nur in der Vorstellung und genießen den Abend. Trotzdem ist es gut zu wissen, dass sie da sind.